Die Sonne grüßt von oben her und wir würden am liebsten gleich die Eisenacher Karlstraße beschallen, doch in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Pension befindet sich das Studio des Wartburgradios. Wir sind sehr neugierig und nehmen die Aufschrift an der Tür wörtlich: Offener Rundfunksender. Also hinein.

Die Radiomacher vom Wartburgradio geben sich zwar überrascht, aber ebenso begeistert über „so viel Spontanität“. Wir dürfen quasi im Anschluss zum Interview erscheinen und runden das Gespräch mit einer Session im Studio ab. Noch am selben Tag wollen sie das Interview schneiden und gleich morgen soll es in der Lokalzeit gesendet werden. Wir sind gespannt und dankbar für so viel Einsatzbereitschaft.

Der restliche Tag in Eisenach verläuft ebenfalls erfolgreich. Als besonderer Zuhörer erweist sich der Künstler Nader, dem unsere Musik so gut gefällt, dass er uns für den Abend in sein Atelier einlädt. Kurz darauf kommt ein „alter“ Kollege vorbei, den wir erst nach eingehendem Brainstorming wiedererkennen (RapperToire hieß die Band, welche wir von einem Auftritt vor 5 Jahren kennen). Er fordert uns sofort zu einer spontanen Freestyle-Session heraus. Vier Akkorde und zwei Minuten später eine Menschentraube, so etwas sieht man nicht alle Tage in der Karlstraße.

Das Wetter hält sich weiter prächtig als wäre es selbstverständlich. Wir kehren zum Tagesende noch einmal in den gemütlichen Biergarten ein und haben die dritte außergewöhnliche Begegnung an diesem 10. August. Zumindest wissen wir nun Bescheid über die so genannten Bibel-Biker. Wie wir im Laufe des Abends erfahren, ist das eine besondere Sparte von Rockern, die sich auf die schwarze Lederweste geschrieben hat, kostenlos Bibeln an andere Biker zu verteilen. Sozusagen als Anregung zur selbstständigen Information.

Interessant ist auch: Er war in seiner Jugend tatsächlich selbst Gitarrist mit eigener Band und übt heute nur noch für sich allein. Schon entflammt ein wilder Dialog über alte Verstärker und legendäre Musiker, die sich niemals von ihrer Kunst allein ernähren konnten und sich einem normalen Berufsleben als Musiklehrer (oder so) hingeben mussten.

Irgendwann ist es schon wieder zu spät und wir verabschieden uns – müde, aber bereit für Tag drei.