Als wir nach einer dreiviertel Stunde Zugfahrt am Rostocker Hauptbahnhof ankommen, hat sich an der Wetterlage nichts geändert. Es regnet ausdauernd weiter. Zum Glück ist die WG, in der wir heute übernachten, nicht allzu weit vom Bahnhof entfernt.

Eigentlich war hier heute eine kleine Gartenparty im Studentenkreis mit Livemusik geplant, aber die Wetterlage hätte die Sache ziemlich ungemütlich gemacht. Außerdem sagt der Wetterbericht zum Regen auch noch heftige Winde für den Abend voraus. Eine wesentlich gemütlichere Variante hat man aber organisiert. Das Konzert soll zusammen mit zwei anderen Künstlern auf dem Dachboden eines Wohnhauses stattfinden. Wir sind einigermaßen gespannt.

Um sieben laufen wir zusammen mit Sophie zum Ort des Geschehens. Sophie ist eine ortskundige Rostocker Studentin, die sozusagen die Betreuung für uns übernommen hat. Nach einer Viertelstunde gelangen wir in eine sehr gepflegte Wohngegend mit herrlichen Altbauten. Eines der Häuser tanzt allerdings gehörig aus der Reihe. Das muss dieses „Wohnprojekt“ sein. Hier tickt ein ganz anderer Zeitgeist. Schon beim Betreten geht das Erlebnis los. Der Eingang gleicht dem Einstieg in eine Höhle, das ganze Treppenhaus ist mit Bildern und Zeichnungen gesäumt. Namensschilder an den Türen gibt es hier nicht, hier scheint alles sehr flexibel geregelt zu sein.

Wir laufen bis ganz nach oben unter das Dach. Hier hat jemand eine richtige Bar eingerichtet. Künstliche Spinnweben hängen von der Holzdecke, die Wände sind gedämpft beleuchtet und atmosphärische Musik spielt. Der Raum sieht aus wie ein kleines Hexennest. Allein ein Tischkicker bringt das Bild etwas durcheinander, aber hier ist sowieso alles etwas skurril.

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Der Raum gegenüber ist nicht weniger spannend. An die nackten Steinwände sind Glasscherben geklebt, verschiedene Sitzkissen säumen den Boden. An einer Wand ist eine kleine Bühne aus Holzpaletten aufgebaut und mit Teppichen ausgelegt. Ein richtiger kleiner Veranstaltungsraum für circa 30 Leute, ziemlich gemütlich sogar.

Um 20:30 beginnt die Gruppe „Lappalie“ den Abend mit flotter deutscher Folkmusik und bissigen Texten. Danach kommt ein Duo ohne Namen, das sich erst vor zwei Wochen zusammengefunden hat. Die beiden geben Klassiker der Rockgeschichte zum Besten und machen mächtig Stimmung nur mit Akustikgitarre und Gesang. Der ganze Raum singt Lieder von Pink Floyd, Ray Charles und Eric Clapton.

Den Abschluss bilden schließlich wir. Eine knappe Stunde füllen wir mit unserem Programm und dürfen gut gelaunte Zuhörer erleben. Nach unserem Auftritt machen wir uns gleich auf den Weg zurück zur WG, denn morgen ist zeitiges Aufstehen angesagt. Um 8 Uhr sind wir zu Gast im Frühprogramm von Radio LOHRO und stellen unser neues Album „Einfach Tanzen“ vor.

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Der nächste Morgen in Rostock ist leider immer noch sehr grau und auch kühl, aber der Regen lässt allmählich nach. Im Studio erwarten uns Göran und Ali, die heute zusammen den Weckruf (das Frühprogramm von 6 bis 9 Uhr) gestalten. Eine dreiviertel Stunde werden gefüllt mit herrlich lockerem Interview mit und Musik von uns. Zum Finale spielen wir den neuen Song „Der Moment“ live im Studio. Das war ein sehr schöner Morgen mit Euch!

Vom Radiogebäude geht es mit Zwischenstopp beim Bäcker direkt nach Warnemünde. Der Himmel hat sich inzwischen deutlich aufgehellt und die Straße trocknen wieder. Was für ein Glück! An der berühmten Strandpromenade vertreiben wir uns vier Stunden lang die Zeit mit Fotografieren und vor allem Musik.

Bei einer Pause mit Fischbrötchen machen wir Bekanntschaft mit den Warnemünder Möwen. Diese sind begeisterte Mundräuber und schnappen achtlosen Touristen mittels beachtlicher Luftakrobatik ihren Snack direkt aus der Hand. Hier ist wirklich Festhalten angesagt!

Am Nachmittag kommt sogar die Sonne wieder durch und es könnte fast noch ein bisschen so weitergehen, aber wir wollen ja heute noch zur nächsten Station. Und die heißt Wismar.